Geschichtliches von A bis Z


Beeckfließ

Dort wo die Beeck fließt… „ so sangen vor vielen Jahren die Beeckfließ Lerchen im Karneval zur Melodie des Kufstein Liedes eine Hommage auf unser Heimatdorf.

Das Beeckfließ, das dem Ort Beeck den Namen gab, ist ein ehemals natürliches Gewässer, das der Wurm im Kreis Heinsberg zufließt. Dies ist -humorvoll ausgedrückt– Baesweilers „Verbindung zur Nordsee”.

Das Beeckfließ entwässerte nämlich früher als „Busch-Sooth” den Baesweiler Erbwald, ein große Waldgebiet, das sich zwischen Baesweiler, Neuweiler und Boscheln erstreckte.

Mit Beginn des Bergbaues im Aachener Revier wurde das ehemals natürliche Gewässer, das aus einer wasserführenden Senke gespeist wurde, als offen geführter Gruben- und Brauchwasserkanal der Grube Carl Alexander in Baesweiler ausgebaut. Es durchfließt den Beggendorfer Ortsrand streifend die Ortschaften Floverich, Apweiler, Beeck, Leiffarth und Honsdorf und mündet nach 13,3 km unterhalb von Honsdorf in die Wurm.

Nach der Zechenschließung im Jahre 1975 wurde 1994 die Sümpfung aus dem Steinkohlenbergbau eingestellt. Seit dieser Zeit ist das Beeckfließ in seinem Oberlauf vom Zechengelände in Baesweiler bis zur Einmündung in das permanent Wasser führende Gereonsweiler Fließ ohne durchgehende Wasserführung. Lediglich nach längeren oder auch heftigeren Niederschlägen führt der Graben wieder Wasser.

Die Wirtschaftswege entlang des Beeckfließ sind schon seit vielen Jahren asphaltiert und ins Radwegenetz NRW aufgenommen. Beginnend am Carl-Alexander-Park beim Knotenpunkt 53 kam man bequem mit dem Rad dem Lauf über die Knotenpunkte 51 bei Floverich und 6 in Leiffahrt bis zur Mündung in die Wurm folgen.

 

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler
Wikipedia

 

Benrather Linie

Zwischen Beggendorf und Waurichen berührt die Grenze des Stadtgebietes Baesweiler die „Benrather Linie”. Sie ist die Trennungslinie zwischen zwei großen deutschen Sprachgebieten, dem Mitteldeutschen und dem Niederdeutschen. Zunächst entlang der deutsch-niederländischen Grenze verläuft diese Linie dann zwischen Boscheln und Übach, zwischen Beggendorf und Waurichen, zwischen Floverich und Immendorf, zwischen Puffendorf und Apweiler, und von hier aus über Linnich, Odenkirchen und Neuss, bis sie dann bei Benrath den Rhein überschreitet. Vergleicht man die verschiedenen Mundarten (Platt) der einzelnen Orte diesseits und jenseits dieser Linie, fallen die Unterschiede sofort auf. Beggendorf gehört zum mitteldeutschen Sprachgebiet.

Für alle, die es dann etwas genauer wissen wollen und um die Unterschiede ein wenig mehr zu verdeutlichen, sei hier noch ein Auszug aus Georg Wenkers Buch „Das rheinische Platt“, Düsseldorf 1877 wieder gegeben.

Da müssen wir denn, wenn wir mit dem ch und k in ’s Reine kommen wollen, noch eine zweite Grenzlinie ziehen! Diese geht nördlich von Benrath über den Rhein, darum wollen wir sie die Benrather Linie nennen, und sie läuft nach Westen zu in einem Bogen bis südlich von Geilenkirchen an die holländische Grenze,… Ganz seltsamer Weise kommt unsere Benrather Linie noch einmal über die holländische Grenze zurück, und zwar zwischen Aachen und Eupen,….

Sehen wir uns aber die Benrather Grenzlinie mal etwas genauer an! Ohne viele Sprünge und Winkelzüge zu machen, zieht sie sich hübsch einfach quer durch die ganze Rheinprovinz, oft zwischen zwei Orten hindurch, die nicht weiter als 1/2 Stündchen von einander entfernt sind und – hört man in irgend einem Orte südlich von dieser Linie platt sprechen, so findet man in allen Wörtern, die im Hochdeutschen ein ch in der Mitte oder am Ende haben, dasselbe ch wieder im Platten; kommt man aber in den nächsten Ort nördlich von der Benrather Linie, so hat das Platt wie mit einem Zauberschlage alle diese ch, bis auf das in ich und auch und noch ein paar Wörtern, in k verwandelt!

Und was das Schönste ist: das ist noch gar nicht einmal Alles, was sich bei jener Benrather Linie so plötzlich ändert! Alle hochdeutschen ss und ß in der Mitte oder am Ende der Wörter, z.B. in essen, heiß, Kessel, Schüssel, Schlüssel, geschossen, groß, lassen, Fuß, beißen, findet man im Platt in allen Orten südlich der Benrather Linie grade so wieder, und nördlich von ihr steht statt dessen überall ein t und es heißt: eeten oder iäten für essen, grot oder grut für groß usw. Nur nahe am Rhein gehn die ss und ß noch etwas mehr nach Norden, bis nördlich von Düsseldorf; darüber darf man sich aber gar nicht verwundern, denn am Rhein ist von Alters her ein lebhafter Verkehr gewesen, so daß es sehr natürlich ist, wenn heutzutage am Rhein und nahe daran die Dialecte sich etwas vermengt haben. Und ganz ebenso, wie dem ch und ss und ß ergehts dem f oder ff in der Mitte oder am Ende der hochdeutschen Wörter, z.B. in Schiff, schlafen, rufen, tief, besoffen, Löffel! Denn nur südlich von der Benrather Linie hat das Platt hier ein f wie das Hochdeutsche, nördlich dagegen finden wir ein p, statt des f oder ff, z.B. lopen statt laufen, deep statt tief, schlopen statt schlafen usw. Und noch mehr! Alle hochdeutschen Wörter, die mit z anfangen, wie Zeit, zwei, zwölf, zwanzig, zu, Zahl, Zeug, Zahn, Zehe, zehn haben südlich der Benrather Linie, nahe am Rhein aber auch nördlicher, bis hinter Kaiserswerth, ebenfalls z im Platten, dagegen nördlich der Benrather Linie und am Rhein nördlich von Kaiserswerth fangen sie alle mit t an, so daß es nun Tied für Zeit, twei, twälf usw. heißt. – …

Nun wird wohl Niemand mehr im Zweifel darüber sein, daß die Benrather Grenze eine der allerwichtigsten im ganze Rheinlande sein muß! Das wollen wir uns denn aber auch gründlich merken! „

 

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler
Georg Wenker: Das rheinische Platt, Düsseldorf 1877

 

Bockreiter

Die Bockreiter sind ein wohl eher unrühmliches Kapitel in unserer Dorfgeschichte. In unserer Gegend ist in den Jahren 1734 bis 1776 eine wohlorganisierte Räuberbande mit dem Namen „Die Bockreiter” in die Geschichte eingegangen. Ihr Hauptstützpunkt war Herzogenrath und sie waren für die Bewohner unserer Dörfer eine echte Plage. Es waren größtenteils Mitglieder alteingesessener Bauern- und Handwerkerfamilien, die ihre Zugehörigkeit zur Bande geschickt verschleierten. Auf ihren Raubzügen gaben sie sich ein furchterregendes Aussehen und es entstand im Volk der Aberglaube, die Bockreiter ritten auf schwarzen Ziegenböcken nachts durch die Luft und ständen mit dem Teufel in Verbindung. Auf ihren Treffen stellten sie ein silbernes Bockschild als Wahrzeichen auf.

Ein Raub ist überliefert, und zwar in der Nacht vom 12. zum 13.12.1763, bei dem ein gewisser „Doctor Johannes” und der „schwarze Peter” bekannt wurden – beide aus Beggendorf – sowie „etliche Gesellen aus Floverich und Siersdorf”. In den Jahren 1771 bis 1773 wurden 180 Männer und Frauen verhört – meist unter Anwendung der Folter -, verurteilt und am Galgen hingerichtet, der Letzte wurde 1776 gehenkt.

Neuen Untersuchungen zufolge kamen die hier wohnenden Bürger jedoch nicht für die Untaten der Bockreiter infrage. Vielmehr belegen Notizen über Sprache, Ausdrücke und Kleidung, dass umherziehende Diebe, Marodeure oder Söldner der hessischen, französischen und brandenburgischen Armeen die wahren Bockreiter waren.

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler

 

 

Bongardstraße


Der Name dieser Straße erinnert an die frühere Flurbezeichnung „der Bongert”, als hier noch Baumgärten und Wiesen waren. Diese Flur trug früher den Namen „Mörsel”;hier soll einer der großen Beggendorfer Höfe gestanden haben. 

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler

 

Brauerei Kochs

Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Beggendorf Bier gebraut. Der Landwirt Hubert Kochs betrieb neben der Landwirtschaft in der Lindenstraße eine kleine Familien-Brauerei. Wann das erste Bier in Beggendorf gebraut wurde, ist nicht genau feststellbar. Nach dem historischen Brauereiverzeichnis Deutschland vom Klaus Ehm wurde die Brauerei 1862 gegründet. 1898 firmierte man dann unter Dampfbrauerei Hubert Kochs. Der Heimatforscher Werner Reinartz erwähnt in seiner „Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf“ (1930), dass ein langgestreckter Wassergraben beiderseits der Straße von Beggendorf nach Waurichen 1887 mit Erde angefüllt wurde, als die Bierbrauerei Kochs ihren großen Eiskeller erbaute und den dabei ausgeschachteten Boden hier anfuhr.
Noch zu Lebzeiten des Gründers wurde die Landwirtschaft aufgegeben, man widmete sich jetzt ganz der Brauerei. Dies machte eine Erweiterung der vorhandenen Gebäude und besonders den Bau von unterirdischen Gär-, Kühl- und Lagerräumen erforderlich, aus denen die gefüllten Bierfässer am Ende des Brauprozesses mit einem Aufzug nach oben gebracht und auf die Pferdekarren bzw. auf Kraftwagen verladen wurden. Die Brauerei ging später auf den Sohn Hubert und dessen drei Schwestern über. 1907 wurde dann die Firma unter dem Namen „Brauerei Hubert Kochs Wwe“ geführt und 1924 hieß sie dann „Bierbrauerei Hubert Kochs GmbH“.
In den Spitzenzeiten der Brauerei wurden jährlich rd. 10.000 bis 12.000 Hektoliter Bier in Beggendorf gebraut – für eine Familienbrauerei eine große Menge. Mitte der 1920er Jahre machte sich die Konkurrenz von Großbrauereien bemerkbar. Die Familien-Brauerei Kochs stellte 1925 das Bierbrauen ein. Der Gebäudekomplex der Brauerei wurde später verkauft und wird seit 2001 als Wohngebäude genutzt. Der Eiskeller ist heute noch vorhanden und steht unter Denkmalschutz.

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler
Klaus Ehm, Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland

 

 

Cäcilienstraße

Die erste Erwähnung Beggendorfs datiert – wenn auch nicht ganz zweifelsfrei – aus dem Jahre 962. Damals schenkte der Landesherr Erzbischof Bruno am 25. Dezember 962 dem freiherrlichen Kanonissinnenstift St. Cäcilia zu Köln die Besitzung „Villa Begina” mit Kirche, einem Hof, Zehnten, Land, Wiesen und einer Mühle. Beggendorf war im weiten Umkreis für sein Korbmacherhandwerk bekannt. Da das Beeckfließ damals noch nicht existierte, mussten die Weiden aus den Rurauen herbeigeschafft werden, insbesondere aus dem Brachelener Raum. Hauptsächlich kleine Landwirte und Tagelöhner verdienten sich hierdurch ein Zubrot. Jedoch entwickelte sich daraus ein feststehendes Handwerk, das sich um 1900 sogar bis zu einer kleinen Industrie entwickelt hatte, jedoch im 20. Jahrhundert schnell an Bedeutung verlor.

Das älteste Haus in der Cäcilienstraße ist das Restaurant „Haus Keufen“, das mittlerweile auf eine 155 jährige Geschichte als Haus der Gastlichkeit zurückblicken kann.

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler

 

 

Hubertuskapelle

Im Jahre 1961 wurde auf Initiative des Beggendorfer Lehrers und Heimatforschers Werner Reinartz mit Hilfe der St.- Hubertus-Schützen und der Einwohner die Hubertuskapelle neu aufgebaut. Damit scheint es der dritte Kapellenbau an dieser Stelle zu sein. Die Geschichte dieser Kapelle reicht weit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1522. Die genannte Kapelle selbst wird allerdings noch viel älter sein. Im Jahre 1645 wurde dann an deren Stelle eine neue errichtet. Diese Jahreszahl stand hinter dem Altar auf der Wand und trat erst zu Tage, als die Kapelle im 2. Weltkrieg leider total zerstört wurde. Diese 2. Kapelle hatte einen einfachen Barockaltar, der von der Äbtissin des St.-Cäcilienstiftes geschenkt worden war. Der Altar stand in den beiden vorigen Jahrhunderten erst in der alten und später in der neuen Pfarrkirche, bis dieser 1886 ein neuer Hochaltar gestiftet wurde.

Die heutige Gestaltung des Innenraumes verdankt die Kapelle einigen Beggendorfer Bürgern, die vor wenigen Jahren angetreten waren, die Kapelle instand zu setzen und ihr ein neues Aussehen zugeben.

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler

 

 

Korbmacher

Im „Goldenen Zeitalter“ des Korbmacherhandwerkes um die Jhdt.-Wende vom 19. zum 20. Jhdt. kam es dann zu stärkeren Differenzierung innerhalb der Region. Einige Orte blieben bei der groben Grauarbeit (ungeschälte Weiden) „Packmange“, Kartoffelkörbe u.a.m., andere Orte fertigen Ballonkörbe. Die Beggendorfer Korbmacher hatten sich jedoch auf die Feinar-beit aus gespaltenen Weiden spezialisiert. Mit beginnender Industrialisierung warf das Handwerk nun aber nicht mehr so viel ab, dass man sich gezwungen sah, 1897 eine Korbma-chergenossenschaft sowie eine Spar- und Darlehnskasse zu gründen. Durch diese Maßnah-men wurde die Not der Korbmacher zu verbessert und das Korbmacherhandwerk erhielt allmählich wieder Auftrieb.
1900 bezog man sogar ein eigenes Lagerhaus, das „Korbmachergenossenschaftsgebäude“, rechts neben dem Zugang zum 1913/14 errichteten Schulgebäude. Es konnte jedoch nicht lange genutzt werden, da die Spar- und Darlehnskasse wegen finanzieller Probleme 1904 aufgelöst wurde und das Lagerhaus 1905 verkauft werden musste. Bis 2008 (Abbruch nach Brand) diente das Gebäude als Wohnhaus.

Quellen:

Werner Reinartz: Geschichte des Ortes und der Pfarre Beggendorf, 1930
Willi Johnen: Heimatbuch Beggendorf, 2011
Stadtgeschichtlicher Lehrpfad der Stadt Baesweiler

 

wird fortgesetzt
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